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u18 eberhard gutjahrName: Eberhard Gutjahr

Geboren in dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg in unsere Stadt Berlin "zurückkam", nachdem die deutschen Truppen ihn in viele Länder Europas gebracht hatten: l943 in Berlin-Mitte (Augusta-Hospital, Scharnhorststr).

Familie und Werdegang:

Die Katastrophe von Stalingrad an der Wolga (Kapitulation am 31. Januar 1943) wurde zum Wendepunkt des Russlandfeldzuges und des Krieges überhaupt und zum Zeichen der deutschen Niederlage. Meine Großeltern väterlicherseits wohnten in der Lynarstr. 16 (Ecke Tegeler Str.) am S-Bahn-Ring. Seit 1942 lebten auch meine Eltern mit in dieser Wohnung. Meine Großmutter war über viele Jahre schwer krank und wurde von Mitgliedern der Ostergemeinde oft besucht, besonders auch von dem Pfarrehepaar von Bargen. Mein Vater ging als Schüler gern in den Kindergottesdienst (über 100 Kinder), mein Großvater war im Gemeindekirchenrat.

Wie kamen Sie in die Osterkirche?

Ja, unsere Familie hat eine lange Geschichte mit der Osterkirchengemeinde, - seit den 1920er Jahren. Bei den schweren Bombenangriffen in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 wurde auch unser Haus in der Lynarstraße vollkommen zerstört. Wir saßen im Keller. Kein Familienmitglied wurde getötet.

Ich war also ein Vierteljahr alt, als meine Eltern am Leopoldplatz in der Nazarethkirchstr. 49 ein neues Zuhause als Untermieter fanden. Der intensive Kontakt zur Osterkirche blieb, obwohl wir ja nun im Gebiet der Nazarethkirche wohnten.

1945 nach dem Ende des Krieges wurde meine Schwester, Christa, geboren, vier Jahre später 1949 in der Zeit der Luftbrücke (Blockade West-Berlins) mein Bruder, Michael. Unser Vater wurde gefragt, ob er es sich zutrauen würde, als Religionslehrer in eine Grundschule zu gehen. Der Lehrermangel war groß. Menschen, die in einer Kirchengemeinde engagiert waren, wurden angesprochen. Unser Vater nahm dann an einer mehrjährigen berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung für Katecheten und Katechetinnen teil. Neben dem Unterricht war er vielfältig ehrenamtlich in der Osterkirchengemeinde tätig: im Gemeindekirchenrat, im Kindergottesdienst, im Chor, in der Jugendarbeit und bei Gemeindeveranstaltungen.

Was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Durch unser Elternhaus wurde auch uns Kindern die Osterkirche ein wichtiger Ort, an dem wir uns wohlfühlten und Schönes erlebten. Fast an jedem Sonntag 11.30Uhr waren wir im Kindergottesdienst. Vorher hatten wir im Radio die Kindersendung "Onkel Tobias" gehört. Das musste sein. Unvergesslich sind mir die Freizeiten in Lübars. Mit dem Doppeldeckerbus der BVG ging es morgens los zum Gemeindehaus im Zabel-Krüger-Damm, nachmittags ging`s wieder zurück. Stadtranderholung nannte man das damals. Die Kinder des Kindergartens und des Hortes fuhren natürlich auch mit.

Wenige Familien konnten sich in den 1950er Jahren einen gemeinsamen Urlaub leisten. Wanderungen, Toben in den Rollbergen, Baden im Freibad Lübars und der Mittagsschlaf waren unser "Programm", selbstverständlich auch Feste.

Die Osterspaziergänge morgens zum Plötzensee mit dem Singen am Eingang des Friedhofs und dem Ostereiersuchen, die Pfingstmorgenfeiern in der vollbesetzten Freilichtbühne in den Rehbergen und die Dampferfahrten, die an der Fennbrücke starteten und zu unterschiedlichen Zielen führten, damals leider nur in West-Berlin, waren Höhepunkte des Gemeindelebens. Wir erlebten ein fröhliches Miteinander von Jung und Alt. Es wurde sehr viel gesungen, auch auf den Fahrten und vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit.

Das hat sich uns Kindern nachhaltig eingeprägt. Ich gehörte zu einer Jugendgruppe, die Herr Erxleben leitete. Nach meiner Konfirmation 1957 wurde ich von Pfarrer von Bargen gefragt, ob ich Lust und Zeit hätte, zu einer Jungschargruppe einzuladen. Auch traute er mir zu, biblische Geschichten in einer Gruppe im Kindergottesdienst zu erzählen. Ich stimmte den Vorschlägen gerne zu und wuchs so stärker in die Gemeindearbeit hinein. Ich nahm dann an Jugendleiterseminaren und Freizeiten für theologisch interessierte Oberschüler teil. Im letzten Unterrichtsjahr entschied ich mich, Theologie zu studieren.

Nach meinem Abitur 1963 im Ranke-Gymnasium am Zeppelinplatz begann ich mein Studium in der Kirchlichen Hochschule in Zehlendorf. Später studierte ich in Heidelberg und Hamburg. Es war für mich eine besondere Freude, dass ich nach den Examina am 27. Juni 1971 in der Osterkirche von Bischof Kurt Scharf als Pfarrer unserer Landeskirche ordiniert wurde. Mein Vater durfte als Assistent mitwirken.

Die Erfahrungen in der Osterkirchengemeinde waren und blieben für mich sehr wichtig. Sie waren und blieben für mich der Erlebnishorizont für das, was wir Gemeinde Jesu Christi nennen, sicherlich sehr unvollkommen in ihrer äußeren und inneren Gestalt, aber zugleich ein vielfältiges Angebot für Begegnungen und Gemeinschaftserfahrungen.

"Alles wirkliche Leben ist Begegnung", sagt der jüdische Theologe und Philosoph Martin Buber. In der Gemeinde Jesu gibt es Chancen, menschliche Nähe zu erfahren und mit anderen zusammen über den Sinn und das Ziel menschlichen Lebens nachzudenken. In der Osterkirchengemeinde begann ich, den Reichtum der biblischen Geschichten zu erahnen.

Von 1970 bis 1994 war ich Pfarrer in der Hephatha-Kirchengemeinde in Britz im Kirchenkreis Neukölln. 1973 freuten sich meine Frau und ich über die Geburt unseres Sohnes Matthias. Meine Frau arbeitete als Sprachheillehrerin, unser Sohn ist Sozialpädagoge. Von 1994 bis zu meiner Pensionierung 2008 leitete ich als Superintendent den Kirchenkreis Reinickendorf. Sehr dankbar bin ich dafür, dass ich weiterhin Kontakt zur Osterkirchengemeinde habe und ab und zu hier auch predigen darf. Ich freue mich über das geistliche und kulturelle Leben in dem schönen Kirchraum und über das soziale Engagement der Gemeindeglieder, z.B. in der Aktion "Laib und Seele". Ich freue mich auch über die Gastfreiheit für andere Gemeindegruppen und für Gäste aus anderen gesellschaftlichen Aktivitäten.

Welche drei Wünsche haben Sie für die oder an die Osterkirchengemeinde?

Ich wünsche der Osterkirchengemeinde, dass

  • der Gottesdienst der Mittelpunkt ihres Gemeindelebens bleiben möge,
  • die Menschen, die sich hier versammeln oder treffen, im Glauben und in der Liebe ermutigt und gestärkt werden,
  • hier weiterhin viel gesungen und gelacht wird,
  • Pfarrerin Unterdörfel noch lange hier leben und arbeiten kann.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Ein Lieblingstext in der Bibel ist für mich der 139. Psalm. Er ist eine wunderbare Beschreibung dessen, was Glaube ist: sich trotz aller Gefahren und Widrigkeiten geborgen fühlen und mutig voranschreiten im Vertrauen auf Gottes Zusage, dass er immer bei uns ist und bleibt:

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. (Vers 5)

Was ist Ihr Lieblingslied im Gesangbuch?

In diesem Sinne ist eines meiner Lieblingslieder:

Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not – Nr. 345

Noch ein Gedanke

In der letzten Woche las ich eine Antwort auf die Frage nach dem Lebensziel. In den USA wird wohl gern geantwortet: "To make the world a better place." Dieser Antwort stimme ich gerne zu: "Die Welt zu einem besseren Ort machen." - freilich mit einer für mich sehr wichtigen Ergänzung: "im Sinne Jesu und mit Gottes Hilfe"!